Lexikon-Eintrag

Blattlaus Aphididae

Blattlaus (Aphididae), KI-Illustration

KI-generierte Illustration (keine Fotografie)

Klassifikation

Taxonomie

Akzeptierter Name
Reich
Tiere (Animalia)
Stamm
Gliederfüßer (Arthropoda)
Klasse
Insekten (Insecta)
Ordnung
Schnabelkerfe (Hemiptera)
Familie
Aphididae

Überblick

Einleitung

Die Röhrenblattläuse oder Röhrenläuse (Aphididae) bilden mit ca. 2.000 Arten die größte Familie der Pflanzenläuse innerhalb der Überfamilie der Blattläuse (Aphidoidea). Sie ernähren sich phytophag durch das Saugen von Pflanzensaft und können bei massenhaftem Auftreten in der Landwirtschaft erhebliche Schäden anrichten. Durch ihre hohe Reproduktionsrate und die Übertragung von Viren beim Saugakt stellen viele Arten bedeutende Schädlinge dar.1

Auf einen Blick

Fakten (kompakt)

  • Die Vorderflügel der geflügelten Morphen besitzen vier bis sechs Adern und sind deutlich größer als die Hinterflügel.
  • Aufgrund des Überschusses an aufgenommenen Kohlenhydraten im Pflanzensaft, der nicht verwertet werden kann, scheiden die Tiere Honigtau aus.
  • Zur spezifischen Artenauswahl der Familie zählen unter anderem die Erbsenlaus (Acyrthosiphon pisum), die Große Rosenblattlaus (Macrosiphum rosae) sowie die Grüne Pfirsichblattlaus (Myzus persicae).
  • Bei bestimmten Arten wie der Schwarzen Bohnenblattlaus (Aphis fabae) vollziehen die geflügelten Formen einen aktiven Wirtswechsel.
  • Im Gegensatz dazu existieren Gruppen, bei denen die geschlechtlichen Generationen gemeinsam mit den ungeschlechtlichen auf derselben Wirtspflanze leben, was exemplarisch für die Grüne Apfelblattlaus (Aphidula pomi) belegt ist.2

Erkennen

Aussehen & Bestimmungsmerkmale

Die Röhrenblattläuse (Aphididae) erreichen eine Körperlänge von 1 bis 8 Millimetern. Sie besitzen einen weichen Körper, der in der Grundfärbung meist grün, braun oder rot erscheint. Am Hinterleib tragen alle Individuen zwei lange Siphonen (Siphunculi), die zum Absondern einer Verteidigungsflüssigkeit dienen. Der Kopf weist einen Saugrüssel sowie sehr kleine Facettenaugen auf. Die langen Fühler setzen sich meist aus vier bis sechs Segmenten zusammen, seltener kommen weniger Segmente vor. Die Beine sind je nach Art unterschiedlich ausgeprägt und variieren zwischen kurz sowie lang und dünn. Hinsichtlich der Bewebung existieren sowohl ungeflügelte (aptere) als auch geflügelte (alate) Morphen. Wenn Flügel vorhanden sind, übertreffen die Vorderflügel mit vier bis sechs Adern die Hinterflügel an Größe. Larven und adulte Tiere zeigen eine ähnliche weiche Körperbeschaffenheit, wobei geflügelte Individuen der Verbreitung und ungeflügelte der Massenvermehrung dienen. Eier werden im Herbst abgelegt und dienen als Überwinterungsstadium, aus dem im Frühjahr die ersten Larven schlüpfen. Eine Abgrenzung zu anderen Familien der Pflanzenläuse gelingt insbesondere über die Kombination aus den charakteristischen Siphonen und der Segmentanzahl der Antennen. Belastbare morphologische Detaildaten zu Eigrößen oder spezifischen Puppenstadien jenseits der Grundmerkmale fehlen in der aktuellen Literatur.1

Porträt

Beschreibung

Die Röhrenblattläuse (Aphididae) bilden mit weltweit etwa 2.000 bekannten Spezies und rund 650 mitteleuropäischen Arten die umfangreichste Familie innerhalb der Überfamilie der Pflanzenläuse. Sie zeichnen sich durch einen weichen, meist grün, braun oder rot gefärbten Körper aus, der je nach Art eine Länge von 1-8 mm erreicht. Im natürlichen Lebensraum besiedeln sie bevorzugt die weichen, unverholten Bereiche sowie die Blätter ihrer Wirtspflanzen. Ein zentrales Erkennungsmerkmal im Feld sind die zwei charakteristischen Siphonen am Hinterleib, die zur Absonderung einer Verteidigungsflüssigkeit dienen. Mikroskopisch offenbaren sich zudem lange Fühler mit meist vier bis sechs Segmenten, ein spezialisierter Saugrüssel sowie stark reduzierte Facettenaugen. Der morphologische Aufbau variiert stark hinsichtlich der Beine, die je nach Art kurz oder lang und dünn ausgebildet sind. Neben den überwiegend trägen, ungeflügelten Formen treten regelmäßig geflügelte Individuen mit vier bis sechs Adern in den Vorderflügeln auf. Letztere sind primär für die Ausbreitung über größere Distanzen durch Winde verfrachtet und den Wirtswechsel zuständig. Anatomisch sind sie optimal auf eine phytophage Ernährungsweise durch das Anstechen von Leitgeweben angepasst. Da der Aufnahmeüberschuss an zuckerhaltigem Pflanzensaft nicht vollständig verarbeitet werden kann, scheiden sie Honigtau aus, was regelmäßig zu Symbiosen mit Ameisen führt. Der Fortpflanzungszyklus ist durch einen komplexen Generationswechsel aus ungeschlechtlicher Parthenogenese und geschlechtlicher Vermehrung gekennzeichnet. Aus im Herbst abgelegten Eiern schlüpfen im zeitigen Frühjahr die Stammmütter der neuen Saison. Die Reproduktionsrate ist extrem hoch, wodurch sich innerhalb einer Woche eine neue Generation entwickeln kann und zahlreiche Nachkommengenerationen pro Jahr entstehen. Im Gegensatz zu den sesshaften Larven und ungeflügelten Adulten ermöglichen die geflügelten Morphen die Erschließung neuer Habitate. Ökologisch und landwirtschaftlich sind sie aufgrund ihrer Massenvermehrung, direkten Saugschäden, Virusübertragungen und der Förderung von Schimmelpilzen durch Honigtau von großer Bedeutung.1

Systematik

Name & Einordnung

Die Röhrenblattläuse oder Röhrenläuse (Aphididae) bilden mit etwa 2.000 bekannten Arten die größte Familie innerhalb der Überfamilie der Blattläuse (Aphidoidea). In Mitteleuropa ist diese Gruppe mit rund 650 Arten vertreten. Der wissenschaftliche Name leitet sich von der Familie Aphididae ab, deren Typusgattung Aphis ist. Im deutschen Sprachraum haben sich primär die Trivialnamen Röhrenblattläuse oder Röhrenläuse etabliert. Auf internationaler Ebene sind diese Insekten unter anderem im Englischen als aphids bekannt. Belastbare historische Details zur genauen Erstbeschreibung sowie frühere taxonomische Kombinationen und Synonyme gehen aus den vorliegenden Primärquellen nicht hervor. Auch etymologische Belege zum genauen Ursprung des Gattungsnamens Aphis fehlen in der aktuellen Datenlage. Die Familie wird traditionell den Pflanzenläusen (Sternorrhyncha) zugeordnet. Aufgrund der begrenzten Quellengestalt in diesem Bereich müssen weitere historische Synonymisierungen als gegenwärtig nicht systematisch belegt eingestuft werden.1

Lebensweise

Biologie & Lebenszyklus

Die Familie der Röhrenblattläuse (Aphididae) zeigt einen komplexen Lebenszyklus mit einem regelmäßigen Wechsel zwischen geschlechtlicher und ungeschlechtlicher Vermehrung durch Parthenogenese. Die Generationenfolge beginnt im Herbst mit abgelegten Eiern, deren Larven nach der Überwinterung zeitig im Frühjahr schlüpfen. Sowohl ungeflügelte als auch geflügelte Formen treten auf, wobei ungeflügelte Individuen der schnellen Massenvermehrung dienen und geflügelte Formen die Ausbreitung sowie den Wirtswechsel ermöglichen. Die Reproduktionsrate ist extrem hoch, da innerhalb einer Woche eine neue Generation heranreift und pro Jahr zahlreiche Generationen entstehen können. Larven und Adulte ernähren sich gleichermaßen phytophag durch das Saugen von Pflanzensaft an weichen, un- oder wenig verholzten Pflanzenbereichen. Da die aufgenommenen Pflanzensäfte überschüssige Kohlenhydrate enthalten, scheiden die Tiere diese als Honigtau aus, während sie auf die darin enthaltenen Aminosäuren angewiesen sind. Aufgrund dieses zuckerhaltigen Sekrets werden sie häufig von Ameisen betreut und gemolken. Geflügelte Tiere werden passiv durch den Wind verfrachtet, während ungeflügelte Formen träge sind und nicht springen können. Trotz ihres schnellen Wachstums und ihrer enormen Vermehrungsleistung werden Populationen in natürlichen Lebensräumen durch zahlreiche Fressfeinde und Parasiten reguliert. Zahlreiche Arten können durch ihre massenhafte Koloniebildung und das Saugen an Wirtspflanzen erhebliche Schäden in der Landwirtschaft verursachen. Zusätzlich fungieren sie durch das Einstechen ihres Saugrüssels als Vektoren für pflanzenpathogene Viren. Der ausgeschiedene Honigtau begünstigt zudem die Besiedlung der Pflanzen mit Schimmelpilzen, was zu Sekundärschäden führt. Belastbare Detaildaten zu exakten Entwicklungsdauern bei bestimmten Temperaturen oder spezifischen Mortalitätsraten fehlen in der aktuellen Datenbasis.1

Lebensweise

Verhalten

Röhrenblattläuse (Aphididae) zeigen ein stark zwischen geflügelten und ungeflügelten Morphen differenziertes Verhalten. Die ungeflügelten Formen sind träge, bewegen sich langsam fort und sind nicht in der Lage zu springen. Im Gegensatz dazu übernehmen die geflügelten Individuen die aktive Ausbreitung und Wirtsfindung. Oft werden diese geflügelten Tiere passiv durch den Wind über weite Strecken verfrachtet, wodurch sie auch entferntere Regionen besiedeln können. Bei der Nahrungsaufnahme stechen sie phytophag den Pflanzensaft an den weichen, un- oder wenig verholzten Bereichen sowie an den Blättern der Wirtspflanzen an. Als Reaktion auf Bedrohungen können die Tiere über ihre zwei Siphonen am Hinterleib eine Verteidigungsflüssigkeit absondern. Aufgrund des überschüssigen Zuckergehalts im aufgenommenen Pflanzensaft scheiden sie Honigtau aus. Dieser zuckerhaltige Honigtau zieht Ameisen an, weshalb die Aphididae von diesen regelrecht „gemolken“ werden. Zudem treten viele Arten in großen Kolonien auf, was zu einer massiven Schwächung der betroffenen Pflanzen führt.1

Lebensweise

Ökologie

Röhrenblattläuse (Aphididae) nehmen als phytophage Insekten eine zentrale Rolle im Nahrungsnetz ein, da sie durch das Saugen von Pflanzensaft an un- oder wenig verholzten Bereichen sowie Blättern leben. Da sie überschüssige Kohlenhydrate in Form von Honigtau ausscheiden, stehen sie in intensiven trophischen Beziehungen zu Ameisen, welche die Kolonien regelmäßig besuchen und „melken“. Außerhalb menschlicher Monokulturen werden die Populationen durch zahlreiche natürliche Feinde reguliert, wodurch sich durch Massenvermehrung verursachte Schäden in Grenzen halten. Die phytophage Lebensweise führt durch das Entziehen von Pflanzensäften zu einer direkten Schwächung der Wirte. Zusätzlich fungieren die Tiere als Vektoren für die Übertragung von Pflanzenviren beim Einstechen des Saugrüssels. Der ausgeschiedene Honigtau begünstigt zudem die Ansiedlung von Schimmelpilzen, die auf den betroffenen Pflanzenteilen einen dunklen Belag bilden und weiteren Schaden verursachen. Geflügelte Formen dienen neben der Verbreitung über weite Strecken mittels Windverfrachtung auch dem Wirtswechsel zwischen verschiedenen Pflanzenarten, während ungeflügelte Individuen primär die lokale Massenvermehrung auf demselben Wirt vorantreiben.1

Verbreitung

Vorkommen & Lebensraum

Die Röhrenblattläuse (Aphididae) sind weltweit verbreitet und besiedeln vor allem die gemäßigten Klimazonen. In Mitteleuropa kommen schätzungsweise 650 Arten dieser Familie vor. Sie besiedeln typischerweise die weichen, un- oder wenig verholzten Bereiche sowie die Blätter ihrer Wirtspflanzen. Als phytophage Insekten sind sie eng an das Vorkommen geeigneter Wirtspflanzen gebunden, wobei viele Arten im Jahresverlauf einen Wirtswechsel zwischen unterschiedlichen Pflanzenarten vollziehen. Neben natürlichen Habitaten sind sie flächendeckend in landwirtschaftlichen Monokulturen und Siedlungsbereichen anzutreffen, sofern dort Nahrungspflanzen vorhanden sind. Die Ausbreitung über größere Distanzen erfolgt passiv durch geflügelte Formen, die oft durch den Wind verfrachtet werden. Ungeflügelte Individuen tragen hingegen durch lokale Koloniebildung zur Vermehrung bei. Belastbare, systematische Daten zur genauen Vertikalverbreitung in Höhenstufen fehlen für die Gesamtfamilie weitgehend.1

Verbreitung

Vorkommen und Aktuelle Sichtungen in Deutschland

  • Bonn, North Rhine-Westphalia, Deutschland

    05.06.2026

  • Stockum, 40 Düsseldorf-Stadtbezirk 5, Deutschland

    05.06.2026

  • Stockum, 40 Düsseldorf-Stadtbezirk 5, Deutschland

    05.06.2026

  • Deutschland

    05.06.2026

  • Deutschland

    05.06.2026

Daten: iNaturalist

Sichtungen

Community-Analyse

OpenInsect
41
Sichtungen in den letzten 12 Monaten
Daten der silbarkrift.community
Zuletzt am 07.10.2026
Werde Teil der Community
Lade ein Foto hoch und hilf uns, Arten zu erfassen.

Jahresverlauf

Saisonalität & Aktivität

Die Aktivität der Röhrenblattläuse (Aphididae) beginnt im Jahresverlauf zeitig im Frühjahr durch das Schlüpfen der Larven aus den im Herbst abgelegten Eiern. Die Generationsfolge ist stark verkürzt, wodurch innerhalb einer Woche eine neue Generation heranreift und im Jahresverlauf zahlreiche aufeinanderfolgende Generationen entstehen. Diese hohe Reproduktionsrate führt dazu, dass sich sowohl ungeflügelte Formen zur Massenvermehrung als auch geflügelte Formen entwickeln. Letztere dienen gezielt der Verbreitung sowie dem Wirtswechsel zwischen verschiedenen Pflanzen. Im Spätsommer und Herbst treten geschlechtliche Generationen auf, die für die Ablagerung der Überwinterungseier sorgen. Das öffentliche Interesse und die Wahrnehmung der Aktivität konzentrieren sich in den Monaten Mai und Juni mit deutlichen Höchstwerten. Im Gegensatz dazu sinkt die Aufmerksamkeit in den Wintermonaten stark ab.1

Praxiswissen

Bedeutung, Schäden & Prävention

Röhrenblattläuse (Aphididae) sind primär als landwirtschaftliche Schädlinge einzustufen, da sie durch ihre massenhafte Vermehrung erhebliche Ernteverluste verursachen können. Typische Schadbilder umfassen geschwächte Pflanzen durch den Entzug von Pflanzensaft sowie Blattverformungen und Wachstumsstockungen an un- oder wenig verholzten Bereichen. Neben dem direkten Saugschaden wirkt der von den Läusen ausgeschiedene Honigtau als Nährboden für Schimmelpilze, die zu einem dunklen Belag auf den Blättern und weiteren Schäden führen. Darüber hinaus fungieren zahlreiche Arten beim Einstechen des Saugrüssels als Vektoren für die Übertragung von Pflanzenviren. Zur Früherkennung von Befall dienen regelmäßige Kontrollen auf klebrigen Honigtau-Belag, eingerollte Blätter sowie sichtbare Kolonien an den weichen Pflanzenteilen. Da Röhrenblattläuse in der Natur zahlreiche natürliche Feinde besitzen, halten sich die Populationen außerhalb menschlicher Monokulturen in der Regel von selbst in Grenzen. Im Rahmen des vorbeugenden Managements und der integrierten Schädlingsbekämpfung wird diese natürliche Regulation durch den Erhalt von Nützlingen unterstützt. Spezifische physikalische oder chemische Bekämpfungsmaßnahmen sowie detaillierte Monitoring-Methoden wie Gelbfehldetektoren werden in den vorliegenden Daten nicht weiter spezifiziert. Belastbare Daten zu spezifischen baulichen Hygienemaßnahmen oder Quarantänevorschriften fehlen für diese Familie in der aktuellen Quellenlage.1

Praxiswissen

Wirtschaftliche Bedeutung

Zahlreiche Röhrenblattläuse (Aphididae) verursachen in der Landwirtschaft erhebliche wirtschaftliche Schäden durch das massenhafte Saugen an den weichen Pflanzenteilen. Diese direkte Entnahme von Pflanzensaft führt zu einer allgemeinen Schwächung der Wirtspflanzen. Darüber hinaus wirkt sich das Auftreten der Insekten negativ auf die Ertragsqualität aus, da der ausgeschiedene Honigtau die Ansiedlung von Schimmelpilzen begünstigt. Diese Pilze schädigen die Pflanzen zusätzlich und hinterlassen einen dunklen Belag auf den betroffenen Kulturen. Neben diesen direkten und indirekten Schäden durch die Massenkolonien fungieren viele Arten als Vektoren für die Übertragung pflanzenpathogener Viren. Außerhalb menschlicher Monokulturen werden diese Schadwirkungen durch das Vorkommen natürlicher Fressfeinde in der Regel limitiert.1

Nachweise

Quellen & Referenzen

  1. de.wikipedia.org/wiki/R%C3%B6hrenblattl%C3%A4use
  2. Literaturzusammenfassung: Aphididae