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Eichenprozessionsspinner: erkennen, schützen, bekämpfen lassen

Die Raupen des Eichenprozessionsspinners tragen ab etwa Mai Brennhaare, die Haut, Augen und Atemwege reizen – Nester und Raupen fasst du nicht an, denn die Brennhaare bleiben lange wirksam; auf öffentlichem Grund ist die Gemeinde zuständig. Wie du ihn erkennst, dich schützt und was nach einem Kontakt hilft, zeigt dir die Schnellwahl.

Ratgeber Eichenprozessionsspinner

Eichenprozessionsspinner: erkennen, schützen, bekämpfen lassen

Die Raupen des Eichenprozessionsspinners tragen ab etwa Mai feine Brennhaare, die Haut, Augen und Atemwege stark reizen können – auch noch Jahre später aus alten Nestern. Raupen und Nester solltest du deshalb nicht selbst anfassen oder entfernen: Abstand halten, den Fund der Gemeinde melden und Haut, Augen und Atemwege schützen. Hier erfährst du, wie du ihn erkennst, dich schützt und was nach einem Kontakt hilft.

Welches Mittel gegen Eichenprozessionsspinner passt zu dir?

Graue Gespinstnester an Eichenstamm oder Astgabel

Abstand halten, nichts anfassen

Flache, graue Nester aus Gespinst, Häutungsresten und Kot am Stamm oder in Astgabeln von Eichen sind typisch. Darin stecken unzählige Brennhaare. Halte Abstand, fass nichts an, kehr oder sauge nicht selbst und halte Kinder und Hunde fern. Melde den Fund der Gemeinde oder dem Ordnungsamt und sperr den Bereich ab; für einen Baum auf deinem Grundstück bist du als Eigentümer verantwortlich.

Behaarte Raupen, die in einer Reihe wandern

Eichenprozessionsspinner: Bereich meiden

Raupen, die hintereinander in Reihen oder breiten Bändern über den Stamm wandern, sind typisch für den Eichenprozessionsspinner. Ab dem dritten Larvenstadium, meist ab Mai, tragen sie Brennhaare, die schon der Wind verbreitet. Meide den Bereich, sperr ihn im eigenen Garten ab und melde den Fund der Gemeinde oder dem Ordnungsamt.

Kontakt mit Raupen oder Haaren gehabt

Haare entfernen, Kleidung waschen

Nicht kratzen oder reiben. Dusch dich gründlich, wasch die Haare und die Kleidung bei mindestens 60 °C. Haare auf der Haut kannst du vorsichtig mit Klebeband abziehen, Augen spülst du mit klarem Wasser aus. Bei starken Hautreaktionen, Augenbeschwerden oder Atemnot hol ärztliche Hilfe; zeigt dein Hund Beschwerden an Maul oder Zunge, geh zum Tierarzt.

Befallene Eiche im eigenen Garten

Bereich sichern und Befall melden

Als Eigentümer bist du in der Regel dafür verantwortlich, dass von deinem Baum keine Gefahr ausgeht. Nester und Raupen solltest du nicht selbst kehren, saugen oder abflammen, weil dabei Brennhaare aufgewirbelt werden. Sichere den Bereich ab, halte Kinder und Haustiere fern und melde den Befall der Gemeinde oder dem Ordnungsamt; vielerorts informiert oder unterstützt die Gemeinde.

Frühjahr: Die Eichen treiben aus

Rechtzeitig planen

Die Raupen schlüpfen Ende April bis Anfang Mai mit dem Blattaustrieb der Eichen. Hattest du im Vorjahr Befall, kontrolliere die Eichen ab Ende April regelmäßig und melde Funde früh der Gemeinde: In den ersten Larvenstadien, bevor die Brennhaare gebildet werden, ist die Belastung am geringsten. Alte Nester bleiben trotzdem gefährlich – nicht selbst anfassen.

Hausmittel wie Haarspray, Wasserstrahl oder Feuer

Gefährlich – Finger weg

Mit Haarspray, Wasserstrahl, Laubbläser oder Abflammen wirbelst du die Brennhaare erst recht auf und verteilst sie in der Umgebung; Abflammen ist außerdem brandgefährlich. Auch Schafwolle, Leimringe oder andere Hausmittel ersetzen keine fachgerechte Entfernung.

Maßnahmen gegen Eichenprozessionsspinner im Vergleich

Beim Eichenprozessionsspinner geht es zuerst um den Schutz von Menschen und Tieren. Nester und Raupen solltest du nicht selbst entfernen; wichtig sind Abstand, Schutz und die Meldung an die Gemeinde.

MaßnahmeSo wirkt esWann sinnvollDarauf achten
Abstand halten und meiden Kein Kontakt mit Raupen, Nestern und Haaren. Von Mai bis in den Herbst, an alten Nestern auch länger Kinder und Hunde fernhalten, Absperrungen beachten, nicht unter befallenen Eichen sitzen oder Wäsche trocknen.
Fund melden Gemeinde oder Ordnungsamt können Bereiche sperren und Maßnahmen veranlassen. Bei Nestern und Raupen an öffentlichen Bäumen oder in der Nachbarschaft Viele Kommunen haben eigene Meldestellen oder Online-Formulare.
Absaugen der Nester mit Spezialgeräten Entfernt Raupen, Puppen und Brennhaare mit Spezialsaugern. Ab Mai/Juni, sobald Nester sichtbar sind, und für alte Nester Nur mit Schutzanzug, Atemschutz und Spezialgerät – keine Arbeit für Laien.
Behandlung junger Raupen Mittel mit Bacillus thuringiensis wirken auf junge Raupen, die damit behandeltes Laub fressen. Ende April bis Mitte Mai, vor dem dritten Larvenstadium Für den Hausgarten nicht vorgesehen; beseitigt keine alten Nester und Haare.
Nematoden im Gel Insektenpathogene Nematoden befallen die Raupen bei direktem Kontakt. Junge Raupen im Frühjahr Nur in Gel-Formulierung und mit direktem Raupenkontakt wirksam, im Hausgarten nicht zuverlässig anwendbar.
Fressfeinde und Parasiten Raupenfliegen, Schlupfwespen, Puppenräuber und Vögel wie der Kuckuck fressen oder parasitieren die Raupen. Begrenzen Massenvermehrungen über die Jahre Verhindern einen akuten Befall nicht. Der Große Puppenräuber ist geschützt.

So lebt der Eichenprozessionsspinner

Eichenstamm mit grauem Gespinstnest in der Astgabel und einer Reihe behaarter Raupen, die hintereinander den Stamm hinaufwandern
Eichenstamm mit grauem Gespinstnest in der Astgabel und einer Reihe behaarter Raupen, die hintereinander den Stamm hinaufwandern

Der Eichenprozessionsspinner ist ein unscheinbarer grauer Nachtfalter. Gefährlich sind seine Raupen: Sie leben in Gruppen an Eichen und tragen ab dem dritten Larvenstadium Brennhaare.

  • Eier überwintern in der Krone: Die Weibchen legen im Spätsommer 30 bis 300 Eier in Platten an dünne Zweige in der sonnigen Krone. Die jungen Raupen überwintern im Ei und schlüpfen Ende April bis Anfang Mai mit dem Blattaustrieb.
  • Brennhaare ab dem dritten Stadium: Ab dem dritten Larvenstadium bilden die Raupen winzige, nur 0,1 bis 0,2 mm lange Brennhaare mit Widerhaken und einem Nesselgift. Eine Raupe im fünften Stadium trägt schätzungsweise rund 600.000 davon.
  • Prozession und Nester: Tagsüber ruhen die Raupen in Gespinstnestern am Stamm oder in Astgabeln, die bis zu einem Meter lang werden können. Zum Fressen ziehen sie in langen Reihen in die Krone – daher der Name.
  • Verpuppung im Nest: Ende Juni bis Anfang Juli verpuppen sich die Raupen im Nest. Nach drei bis fünf Wochen schlüpfen die Falter, die von Ende Juli bis Anfang September fliegen.
  • Haare bleiben gefährlich: Die Brennhaare reichern sich in Nestern, Rinde und Boden an und können über Jahre Hautausschlag, Augenreizungen und Atembeschwerden auslösen. Eingeatmet können sie zu asthmatischen Reaktionen führen.

Daraus folgt: Das Risiko geht von den Haaren der Raupen aus, nicht vom Falter – deshalb solltest du Raupen und Nester nie selbst anfassen und Funde der Gemeinde melden.

Prozessionsspinner und Verwechslungen

Nicht jedes Gespinst stammt vom Eichenprozessionsspinner. So unterscheidest du die häufigsten Fälle.

Eichenprozessionsspinner

Thaumetopoea processionea

Größe
Raupe bis 5 cm
Erkennungs­merkmal
Raupen mit dunklem Rücken, rötlich braunen Feldern und langen hellen Haaren, wandern in Reihen; graue Nester am Stamm
Vorkommen
Eichen, vor allem sonnige Einzelbäume, Alleen und Waldränder

Was tun? Abstand halten, Fund melden, Gemeinde oder Ordnungsamt informieren.

Steckbrief im Lexikon →

Kiefernprozessionsspinner

Thaumetopoea pinivora

Größe
Raupe bis etwa 4 cm
Erkennungs­merkmal
Behaarte Raupen in Prozessionen an Kiefern, ebenfalls mit Brennhaaren
Vorkommen
Kiefern, in Deutschland vor allem im Nordosten

Was tun? Wie beim Eichenprozessionsspinner: nicht anfassen, Fund melden.

Pinienprozessionsspinner

Thaumetopoea pityocampa

Größe
Raupe bis etwa 4 cm
Erkennungs­merkmal
Weiße, beutelartige Winternester an Zweigspitzen; Raupen wandern im Spätwinter und Frühjahr in Reihen am Boden
Vorkommen
Kiefern und Zedern im Mittelmeerraum, auch in Urlaubsregionen

Was tun? Nester und Raupen meiden, Hunde anleinen – Kontakt mit Maul und Zunge ist für sie besonders gefährlich.

Steckbrief im Lexikon →

Gespinstmotten

Yponomeuta-Arten

Größe
Raupe bis etwa 2 cm
Erkennungs­merkmal
Weiße Schleier überziehen ganze Sträucher; gelblich-graue Raupen mit schwarzen Punkten, ohne Brennhaare
Vorkommen
Traubenkirsche, Pfaffenhütchen, Weißdorn, Schlehe, Obstbäume – nicht an Eiche

Was tun? Keine Brennhaare, mehr dazu in der Kollektion Gespinstmotte.

Steckbrief im Lexikon →

Goldafter

Euproctis chrysorrhoea

Größe
Raupe bis etwa 4 cm
Erkennungs­merkmal
Dunkelbraune Raupen mit weißen Seitenflecken und zwei orangeroten Punkten auf dem hinteren Rücken; kleine Winternester aus zusammengesponnenen Blättern
Vorkommen
Obstbäume, Weißdorn, Schlehe, Rosen, auch Eichen

Was tun? Hat ebenfalls Brennhaare: nicht anfassen, Winternester nur mit Handschuhen und Schutzkleidung abschneiden oder fachgerecht entfernen lassen.

Steckbrief im Lexikon →

In 5 Schritten beim Eichenprozessionsspinner

  1. Schritt 1: Erkennen

    Graue Gespinstnester am Eichenstamm und Raupen in Reihen sind typisch. Weiße Schleier an Sträuchern stammen dagegen meist von Gespinstmotten ohne Brennhaare.

  2. Schritt 2: Abstand halten

    Fass Raupen und Nester nicht an, halte Kinder und Hunde fern und sperr den Bereich im Garten ab.

  3. Schritt 3: Melden

    Informiere bei öffentlichen Bäumen die Gemeinde oder das Ordnungsamt. Für Bäume auf deinem Grundstück bist in der Regel du zuständig.

  4. Schritt 4: Befall der Gemeinde melden

    Nester und Raupen nicht selbst absaugen, kehren oder abflammen – auch alte Nester nicht. Melde den Befall der Gemeinde oder dem Ordnungsamt und sichere den Bereich ab.

  5. Schritt 5: Fürs nächste Jahr planen

    Kontrolliere bei Befall im Vorjahr die Eichen ab Ende April regelmäßig und melde Funde früh der Gemeinde: Vor der Bildung der Brennhaare ist die Belastung am geringsten.

Eichenprozessionsspinner: das Wichtigste in Kürze

  • Gefährlich sind die Brennhaare der Raupen ab dem dritten Stadium, nicht der Falter.
  • Nester nie selbst entfernen – nicht kehren, saugen oder abflammen.
  • Auch alte Nester enthalten über Jahre wirksame Brennhaare.
  • Nach Kontakt: duschen, Haare waschen, Kleidung bei 60 °C waschen.
  • Für den Baum auf deinem Grundstück bist in der Regel du verantwortlich – Befall der Gemeinde melden und den Bereich absichern.

Häufige Fragen zum Eichenprozessionsspinner

Gibt es ein Spray oder Spritzmittel gegen den Eichenprozessionsspinner?

Selbst sprühen solltest du nicht. Auch Entfernen und Behandeln gehört nicht in Laienhände: Melde den Befall der Gemeinde oder dem Ordnungsamt. Ein Insektenspray aus dem Haushalt erreicht die Raupen im Nest kaum, wirbelt Brennhaare auf und beseitigt sie nicht – die Haare bleiben gefährlich.

Helfen Nematoden gegen den Eichenprozessionsspinner?

Insektenpathogene Nematoden können junge Raupen befallen, aber nur in einer speziellen Gel-Formulierung und bei direktem Kontakt mit den Raupen. Das ist eine Anwendung mit Hubsteiger und Schutzausrüstung und nicht für den Hausgarten gedacht.

Wann ist der Eichenprozessionsspinner gefährlich?

Ab dem dritten Larvenstadium, meist ab Mai, tragen die Raupen Brennhaare. Besonders hoch ist die Belastung im Juni und Juli, wenn die Raupen ausgewachsen sind und sich in den Nestern verpuppen. Die Haare bleiben in alten Nestern, in der Rinde und im Boden über Jahre wirksam.

Was tun nach Kontakt mit den Brennhaaren?

Nicht kratzen. Dusch gründlich, wasch die Haare und die Kleidung bei mindestens 60 °C. Haare auf der Haut lassen sich vorsichtig mit Klebeband abziehen, Augen spülst du mit klarem Wasser aus. Bei starken Hautreaktionen, Augenbeschwerden oder Atemnot hol ärztliche Hilfe.

Darf ich ein Nest selbst entfernen?

Lass es. Beim Abschneiden, Kehren, Saugen mit dem Haushaltssauger oder Abflammen werden die Brennhaare aufgewirbelt und verteilt. Melde den Befall stattdessen der Gemeinde oder dem Ordnungsamt und halte Abstand.

Wer ist zuständig, wenn der Baum auf meinem Grundstück steht?

In der Regel du als Eigentümer, weil du für die Verkehrssicherheit deines Grundstücks verantwortlich bist. Melde den Befall der Gemeinde und sichere den Bereich ab. Bei Bäumen auf öffentlichen Flächen meldest du den Fund der Gemeinde oder dem Ordnungsamt; viele Kommunen haben dafür eigene Meldestellen.

Helfen Schafwolle, Neemöl oder Haarspray?

Nein. Für keines dieser Hausmittel ist eine Wirkung gegen den Eichenprozessionsspinner belegt. Haarspray und Wasserstrahl wirbeln die Brennhaare zusätzlich auf. Besser ist, Abstand zu halten und den Fund der Gemeinde zu melden.

Ist der Eichenprozessionsspinner für Hunde gefährlich?

Ja. Hunde schnüffeln an Raupen und Nestern und bekommen die Haare an Maul, Zunge und Augen. Halte sie in befallenen Bereichen an der Leine. Speichelt dein Hund stark, schwellen Maul oder Zunge an oder reibt er sich die Augen, geh zum Tierarzt.

Bei starken Hautreaktionen, Augenbeschwerden oder Atemnot nach Kontakt mit Raupenhaaren ärztliche Hilfe holen.

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