Lexikon-Eintrag

Nordseegarnele Crangon crangon

Nordseegarnele (Crangon crangon), KI-Illustration

KI-generierte Illustration (keine Fotografie)

Klassifikation

Taxonomie

Reich
Tiere (Animalia)
Stamm
Gliederfüßer (Arthropoda)
Klasse
Höhere Krebse (Malacostraca)
Ordnung
Decapoda
Familie
Crangonidae
Gattung
Crangon

Überblick

Einleitung

Die Nordseegarnele (Crangon crangon), im deutschen Sprachraum auch als Sand- oder Strandgarnele sowie generisch als Nordseekrabbe bekannt, ist eine kleine Art aus der Familie der Crangonidae innerhalb der Zehnfußkrebse. Sie besiedelt als charakteristische Art sandige und schlickige Küsten des Ostatlantiks vom Weißen Meer bis nach Marokko. Als ökologische Schlüsselart prägt sie durch ihre Häufigkeit den Lebensraum der europäischen Küstengewässer und hat zudem als einzige marine Garnele eine bedeutende fischereiwirtschaftliche Rolle für Deutschland.1

Auf einen Blick

Fakten (kompakt)

  • Das zweite Schreitbeinpaar ist mit einer kleinen Schere ausgestattet und auf das Putzen des Körpers sowie des Eigeleges spezialisiert.
  • Männliche Tiere besitzen am zweiten Schwimmbeinpaar einen klammerartigen Anhang, den sogenannten Appendix masculina.
  • Die grüne Antennendrüse übernimmt eine nierenähnliche Funktion und unterstützt die Tiere bei der Anpassung an unterschiedliche Salzgehalte.
  • Statocysten an der Basis der ersten Antennen registrieren beim Auf- und Abschwimmen im freien Wasser die räumliche Lage.
  • Ein offener Blutkreislauf, der von einem Herz angetrieben wird, versorgt den Körper mit Sauerstoff über die Kiemen.
  • Die Nahrungsaufnahme erfolgt über Mund und Schlund in einen Kaumagen, von wo aus die Nahrung in einen verästelten Mitteldarmkomplex gelangt.
  • Die Besiedlung von Gewässern um Reykjavík seit dem Jahr 2003 wird auf den Transport im Ballastwasser von Schiffen sowie auf die fortschreitende Meereserwärmung zurückgeführt.
  • Ein verminderter Salzgehalt in Flussmündungen schützt die Garnelen vor zahlreichen marinen Fischarten.
  • Es gibt Hinweise darauf, dass die Art von einer unbeabsichtigten Düngung des Meeres durch eingeschwemmte Nährstoffe, insbesondere Phosphate, profitiert hat.1

Erkennen

Aussehen & Bestimmungsmerkmale

Die Nordseegarnele (Crangon crangon) besitzt einen langgestreckten, schlanken Körper mit fast rundem Querschnitt, der eine gräulich-braune Grundfärbung aufweist. Ausgewachsene Exemplare erreichen eine Körperlänge von bis zu 9,5 cm, wobei männliche Tiere kleiner bleiben. Am Kopf befinden sich bewegliche Stielaugen sowie zweiästige Antennulen und lange zweite Antennen mit schuppigen Anhängen, den Scaphoceriten. Der Thorax trägt fünf Schreitbeinpaare, von denen das erste Paar als starke Subchelae zur Beutejagd ausgebildet ist. Die Schere besteht aus einem kleinen Endglied, das taschenmesserartig gegen ein massiges Grundglied angeklappt wird. Das zweite Beinpaar ist kürzer, mit einer kleinen Schere versehen und auf die Körper- und Eipflege spezialisiert. Der muskulöse Abdomen endet in einem Schwanzfächer aus Uropoden und Telson, der durch ruckartiges Einklappen die Flucht ermöglicht. Weibchen tragen am ersten Schwimmbeinpaar einen hasenohrähnlichen Anhang, während Männchen am zweiten Schwimmbeinpaar einen klammerartigen Appendix masculina aufweisen. Die Geschlechtsreife tritt bei einer Körpergröße von 35 bis 40 mm ein. Nach dem Schlupf im Sommer oder Winter durchlaufen die Larven zunächst sechs freischwimmende Stadien im tieferen Wasser. Die anschließende Einwanderung in das Flachwasser des Wattenmeers erfolgt bei einer Körpergröße von etwa 5 mm. Nach rund 25 Häutungen entwickeln sich daraus die juvenilen und schließlich geschlechtsreifen Tiere. Die ähnliche Art Crangon allmanni ist im Nordseebestand beimengt und morphologisch nur schwer abzugrenzen. Nach dem Kochen verfärben sich die Tiere rosa bis rotbraun und krümmen sich zur Körperunterseite.1

Porträt

Beschreibung

Die Nordseegarnele (Crangon crangon), im Volksmund auch als Sand- oder Strandgarnele sowie als Nordseekrabbe bekannt, ist eine kleine und an sandige sowie schlickige Küsten des Ostatlantiks perfekt angepasste Art der Zehnfußkrebse. Ihr schlanker, gräulich-brauner Körper besitzt einen fast runden Querschnitt und verfügt über spezialisierte Pigmentzellen, die eine rasche farbliche Anpassung an den jeweiligen Wattboden ermöglichen. Am Vorderkörper befinden sich bewegliche Stielaugen, zweiästige Antennulen sowie lange zweite Antennen mit schuppigen Scaphoceriten, während Statocysten an der Basis der ersten Antennen die Lage beim Schwimmen im freien Wasser signalisieren. Fünf Schreitbeinpaare prägen den Körperbau, wobei das erste Paar zu kräftigen Subchelae ausgebildet ist, die als taschenmesserartig schließende Fangwerkzeuge für Nährtiere dienen. Das zweite Beinpaar trägt hingegen kleine Scheren und ist funktionell auf die intensive Körper- und Eigelegepflege spezialisiert. Der muskulöse Hinterkörper endet in einem Schwanzfächer aus Uropoden und Telson, dessen ruckartiges Einklappen durch einen massiven Muskel eine schnelle Flucht vor Fischen und Seevögeln ermöglicht. Im Inneren sorgt ein offener Blutkreislauf mit Herz für die Sauerstoffversorgung über Kiemen, während eine grüne Antennendrüse nierenartig bei der Osmoregulation in stark wechselnden Salzgehalten von Flussmündungen hilft. Hinsichtlich der Geschlechtsmerkmale tragen Männchen am zweiten Schwimmbeinpaar einen klammerartigen Appendix masculina, während Weibchen am ersten Schwimmbeinpaar einen hasenohrähnlichen Anhang aufweisen. Die Fortpflanzung findet überwiegend nachts im Alter von etwa einem Jahr statt, wobei geschlechtsreife Weibchen im Laufe eines Jahres drei bis sechs Eigelege mit insgesamt rund 10 000 bis 20 000 Eiern produzieren. Die befruchteten Eier werden an speziell herangewachsenen Borsten an der Unterseite des Hinterleibs befestigt, bis daraus nach ein bis drei Monaten je nach Wassertemperatur die Larven schlüpfen. Die ersten sechs Larvenstadien leben zunächst freischwimmend im tieferen Wasser, ehe sie bei einer Länge von etwa 5 mm in das Flachwasser von Watten und Seemarschen einwandern und dort zur bodenlebenden Lebensweise übergehen. Aus diesen Larven entwickeln sich nach etwa 25 Häutungen schließlich geschlechtsreife Exemplare, wobei die umstrittene Annahme einer protandrigen Geschlechtsumwandlung vom Männchen zum Weibchen nach neueren Experimenten nur selten vorkommt. Im Vergleich zu anderen Arten ist das Nordseebestand zeitweise mit der wirtschaftlich bedeutungslosen Crangon allmanni untermischt. Der Transport im Ballastwasser von Schiffen und die zunehmende Meereserwärmung begünstigten zudem die Etablierung größerer Populationen fernab der traditionellen europäischen Küstengewässer, wie etwa in der Nähe von Reykjavík.1

Systematik

Name & Einordnung

Die Nordseegarnele trägt den wissenschaftlichen Namen Crangon crangon. Sie wird aufgrund ihrer charakteristischen Gestalt und Färbung im deutschen Sprachraum auch als Sandgarnele, Strandgarnele, Granat, Porre, Knat oder Graue Krabbe bezeichnet. In der Mehrzahl sind die Bezeichnungen Porren oder Nordseekrabben gebräuchlich, während in der Küchensprache generisch von Krabben gesprochen wird. Zu den regionalen Varianten zählen Porren in Nordfriesland und Granat in Ostfriesland. Auf internationaler Ebene ist die Art in verschiedenen europäischen Küstenstaaten verbreitet und dort unter entsprechenden Trivialnamen bekannt. Die Art gehört zur Gattung Crangon innerhalb der Familie der Crangonidae. Belastbare historische Details zur genauen Erstbeschreibung, zu früheren Gattungszuordnungen oder zur Etymologie des Artnamens fehlen in der aktuellen Datenlage.1

Lebensweise

Biologie & Lebenszyklus

Die Fortpflanzung von Crangon crangon erfolgt überwiegend nachts im Alter von einem Jahr, wobei die Hauptfortpflanzungsperioden von April bis Juni sowie von Oktober/November bis März stattfinden. Für die Begattung ist es erforderlich, dass die Weibgabe kurz nach ihrer Häutung empfänglich sind, wobei die Männchen diese vermutlich über Duftstoffe auffinden und ihre Spermatophore an die Genitalporen abgeben. Ein bis zwei Tage nach der Begattung treten die befruchteten Eier aus, die das Weibchen an speziellen Borsten an der Unterseite des Hinterleibs befestigt. Im Laufe eines Jahres erzeugt ein Weibchen 3 bis 6 Eigelege, was einer Gesamtzahl von etwa 10 000 bis 20 000 Eiern entspricht. Die Entwicklung der Eier ist temperaturabhängig, weshalb die Larven im Sommer nach einem Monat und im Winter nach drei Monaten schlüpfen. Die ersten sechs Larvenstadien leben zunächst freischwimmend im tieferen Wasser. Nach diesen Larvenstadien wandern die jungen Tiere in das Flachwasser von tidebeeinflussten Watten und Seemarschen ein, wo sie eine bodenlebende Lebensweise annehmen und etwa 5 mm lang sind. Aus diesen Jungstadien entwickeln sich nach etwa 25 Häutungen geschlechtsreife Nordseegarnelen. Die Geschlechtsreife tritt bei einer Körpergröße von 35 bis 38 mm ein. In ihrer Ernährungsweise sind Crangon crangon opportunistische Lauerjäger, die erst mit eintretender Dunkelheit aktiv werden. Adulte und ältere Tiere ernähren sich von bodenlebenden Kleinkrebsen wie Flohkrebsen, Mysiden und Ruderfußkrebsen, Würmern, Jungfischen sowie den aus dem Sand vorgestreckten Siphonen eingegrabener Muscheln, wobei auch Kannibalismus an kleinen Artgenossen vorkommt. Belastbare Daten zu spezifischen Larvennahrungssubstraten oder physiologischen Diapause-Mechanismen abseits der winterlichen Abwanderung in tieferes Wasser fehlen. Natürliche Feinde und Mortalitätsfaktoren umfassen insbesondere Fische wie den Wittling sowie zahlreiche Seevogelarten, die vor allem die bei Ebbe in flachen Restwasserflächen ungeschützten Tiere erbeuten.1

Lebensweise

Verhalten

Crangon crangon zeigt ein stark von den Gezeiten und der Tageszeit abhängiges Verhaltensmuster. Die größeren Tiere halten sich bevorzugt im tieferen Wasser auf, während der Nachwuchs das Wattenmeer in der warmen Jahreszeit nutzt, um sich vor Räubern zu schützen. Mit der Flut wandern die Tiere auf das Watt, um dort zu fressen, und sammeln sich bei Ebbe in den Prielen. Bei Frostwetter verlassen sie das stark auskühlende Flachwasser und ziehen sich in tiefere Bereiche zurück. Zum Schutz vor Vögeln, Fischen und jungen Robben vergraben sich die Garnelen meist flach im Sand. Dabei ermöglicht es ihr Krebspanzer durch Pigmentzellen, sich farblich an den Wattboden anzupassen. Crangon crangon wird erst mit eintretender Dunkelheit aktiv und agiert als Lauerjäger, der seine Beute nicht aktiv verfolgt. In der Ernährung verhalten sie sich als Opportunisten, die ihre Nahrung nach Häufigkeit wählen und dabei auch kleine Artgenossen erbeuten. Wichtig sind zudem Frassaktivitäten an den aus dem Sand vorgestreckten Siphonen eingegrabener Muscheln. Für die Fortpflanzung finden die Männchen die Weibchen vermutlich über Duftstoffe. Nach dem Finden drehen die Männchen das Weibchen auf den Rücken, setzen ihre Spermatophore an den Genitalporen ab, woraufhin das Weibchen weitere Begattungsversuche abwehrt.1

Lebensweise

Ökologie

Als ökologische Schlüsselart prägt Crangon crangon durch ihre hohe Abundanz die trophischen Gefüge in sandigen und schlickigen Küstenhabitaten des Ostatlantiks maßgeblich. In ihrer Ernährungsweise verhalten sich die Tiere als opportunistische Lauerjäger, die primär mit einsetzender Dunkelheit aktiv werden. Das Nahrungsspektrum umfasst vor allem bodenlebende Kleinkrebse wie Flohkrebse, Mysiden und Ruderfußkrebse, aber auch Vielborster, Jungfische sowie artspezifisch kleine Artgenossen. Zudem ist das Fressen an den aus dem Wattboden vorgestreckten Siphonen eingegrabener Muscheln verbreitet. Andererseits fungieren Nordseegarnelen als essenzielle Beute für zahlreiche Prädatoren, wobei insbesondere Fische wie der Wittling sowie diverse Seevogelarten als Hauptfeinde gelten. Der Fraßdruck durch Fische erweist sich dabei als maßgeblicher Regulator, der die Dichte der Garnelenpopulationen trotz schwankender Jungtierproduktion stabil hält. Zum Schutz vor Vögeln, Fischen und jungen Robben vergraben sich die Tiere flach im Sand und passen ihre Körperfarbe mithilfe von Pigmentzellen an den Wattboden an. Das Wattenmeer dient vor allem dem Nachwuchs in der warmen Jahreszeit als geschütztes Aufwuchsgebiet. Mit der Flut wandern die Garnelen auf das Watt ein, während sie sich bei Ebbe in den Prielen sammeln und bei starkem Frost in tiefere Gewässer abwandern.

Verbreitung

Vorkommen & Lebensraum

Das natürliche Verbreitungsgebiet der Nordseegarnele (Crangon crangon) erstreckt sich vom Weißen Meer bis zur Atlantikküste Marokkos. Innerhalb dieses Areal ist sie die am weitesten verbreitete Garnelenart an den sandigen und schlickigen Küsten des Ostatlantiks. Weitere, kleinere Vorkommen existieren zudem in der Ostsee, im Mittelmeer sowie im Schwarzen Meer. Der Nordseebestand der Art ist dabei stellenweise mit einer wirtschaftlich bedeutungslosen Anzahl von Crangon allmanni untermischt. Seit dem Jahr 2003 wurden zudem vermehrt Exemplare in der Nähe von Reykjavík nachgewiesen. Es wird vermutet, dass diese Ausbreitung durch den Transport im Ballastwasser von Schiffen begünstigt wurde und eine nunmehr dauerhafte Population durch die fortschreitende Meereserwärmung ermöglicht wird. Crangon crangon besiedelt überwiegend den Bereich von Flussmündungen und zeigt eine hohe Toleranz gegenüber stark wechselnden Salzgehalten. Dieser verminderte Salzgehalt bietet den Tieren einen evolutionären Schutz vor zahlreichen marinen Fischarten, während gleichzeitig zufließende Gewässer große Mengen an Nährstoffen liefern. In ihrem Habitat nutzen vor allem die Jungtiere das Wattenmeer während der warmen Jahreszeit als Schutzraum vor Räubern. Im Sommer wandern sowohl juvenile als auch adulte Garnelen oft weit in das Brackwasser der Flussmündungen vor. Mit der Flut dringen die Tiere aktiv auf das Watt vor, während sie sich bei einsetzender Ebbe in den Prielen sammeln. Bei herrschendem Frostwetter verlassen die Garnelen das stark auskühlende Flachwasser und ziehen sich in tieferes Wasser zurück. In diesen tieferen Bereichen halten sich generell die größeren Exemplare bevorzugt auf. Um sich vor visuellen Räubern wie Vögeln, Fischen und jungen Robben zu schützen, vergraben sich die Tiere meist flach im sandigen Sediment. Mithilfe spezialisierter Pigmentzellen sind sie dabei in der Lage, ihren Krebspanzer farblich an den jeweiligen Wattboden anzupassen.1

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Jahresverlauf

Saisonalität & Aktivität

Die Aktivität und Fortpflanzung von Crangon crangon unterliegt im Jahresverlauf deutlichen saisonalen Mustern, die maßgeblich durch Wassertemperaturen gesteuert werden. Adulte Tiere zeigen vorwiegend nachtaktives Verhalten und vergraben sich tagsüber flach im Sand, um sich vor Prädatoren zu schützen. Im Sommer wandern die Tiere weit in die Brackwasserzonen der Flussmündungen und nutzen das Wattenmeer als Aufwuchsgebiet. Mit sinkenden Wassertemperaturen im Winter verlassen die Garnelen das stark auskühlende Flachwasser und ziehen sich in tieferes Wasser zurück. Deshalb fällt der kommerzielle Fang in den kälteren Monaten von Ende November bis Februar deutlich geringer aus oder bleibt ganz aus. Die Fortpflanzung erfolgt überwiegend nachts im Alter von einem Jahr und findet in zwei Hauptperioden von April bis Juni sowie von Oktober/November bis März statt. Im Laufe eines Jahres erzeugt ein Weibchen drei bis sechs Eigelege mit insgesamt etwa 10.000 bis 20.000 Eiern. Die Larven schlüpfen temperaturabhängig im Sommer nach einem Monat oder im Winter nach drei Monaten. Nach einer pelagischen Phase im tieferen Wasser wandern die etwa fünf Millimeter langen Larven in das Flachwasser von tidebeeinflussten Watten und Seemarschen ein. Das öffentliche Interesse an der Art zeigt in Auswertungen des Suchverhaltens Peaks, die mit saisonalen Vermarktungs- und Urlaubsphasen korrelieren.1

Praxiswissen

Bedeutung, Schäden & Prävention

Die Nordseegarnele (Crangon crangon) ist weder ein Schädling noch ein Lästling, sondern eine ökologische Schlüsselart mit hoher fischereiwirtschaftlicher Bedeutung im Ostatlantik. Durch ihre Häufigkeit und ihre Rolle als opportunistischer Lauerjäger beeinflusst sie die Populationen von bodenlebenden Kleinkrebsen, Würmern und Jungfischen maßgeblich. Schadpotenziale im Sinne von klassischem Schädlingsbefall gehen von der Art nicht aus; vielmehr steht sie als Meeresorganismus im Fokus der Küstenfischerei. Für Jäger wie Seevögel und Fische, darunter insbesondere der Wittling, stellt sie eine wichtige Nahrungsquelle dar. Ökologisch profitiert die Art von nährstoffreichen Flussmündungen und dem durch geringeren Salzgehalt gebotenen Schutz vor marinen Fischarten. Die Fänge in der Nordsee beliefen sich im Jahr 2005 auf etwa 38.000 Tonnen und im Jahr 2011 auf 33.400 Tonnen. Damit nimmt die Garnelenfischerei den dritten Platz in der Bedeutung unter den Nordseefischereien ein. Der Fang erfolgt traditionell mit Baumkuren von Krabbenkuttern aus, wobei die Fänge in den Wintermonaten von November bis Februar aufgrund des Rückzugs der Tiere in tieferes Wasser geringer ausfallen oder ganz ausbleiben. Nach dem Fang wird der Beifang aussortiert und der Hauptfang direkt an Bord mit Seewasser lebendig abgekocht. An Land werden die leicht verderblichen Tiere mit Krabbensortiermaschinen nach Größe sortiert und zur Konservierung mit einer Mischung aus Kochsalz, Benzoesäure und Zitronensäure versehen. Aus hygienischen Gründen verbieten EU-Vorschriften das traditionelle Krabbenpulen in Heimarbeit für den Verkauf, weshalb dieser Arbeitsschritt zeitweise in das Ausland verlagert wurde. Moderne maschinelle Schälverfahren sowie die Erprobung ultraschallbasierter Techniken durch das Thünen-Institut für Seefischerei zielen auf eine wirtschaftlichere Verarbeitung im Inland ab. Zudem stellen die Rückstände aus dem Verarbeitungsprozess eine potentielle Rohstoffbasis für die Chitin- und Chitosanherstellung dar.1

Praxiswissen

Wirtschaftliche Bedeutung

Die Nordseegarnele (Crangon crangon) hat als einzige marine Garnelenart eine fundamentale fischereiwirtschaftliche Bedeutung für Deutschland. Sie ist in ihrer fischereiwirtschaftlichen Bedeutung unter den Nordseefischereien an dritter Stelle platziert. Der Fangumfang in der Nordsee betrug im Jahr 2005 etwa 38.000 Tonnen und sank im Jahr 2011 auf 33.400 Tonnen.1 Der Fang erfolgt traditionell seit dem Ende des 19. Jahrhunderts mittels Krabbenkuttern durch den Einsatz einer Baumkurre als Grundschleppnetz. Während der kalten Monate von Ende November bis Februar fällt der Fang aufgrund des Rückzugs der Tiere in tiefe Gewässer geringer aus oder entfällt ganz. Die leicht verderblichen Tiere werden direkt an Bord lebendig mit Seewasser abgekocht und anschließend an Land mittels Krabbensortiermaschinen sortiert und konserviert. Aus hygienischen Gründen und aufgrund von EU-Vorschriften wurde das arbeitsintensive manuelle Schälen ("Krabbenpulen") weitgehend in das Ausland verlagert. Die maschinelle Schälung ist im Vergleich zur Handarbeit im Ausland deutlich teurer, bietet jedoch den Vorteil verkürzter Transportzeiten und eines geringeren Einsatzes von Konservierungsstoffen. Neue Verfahren wie Ultraschallwellen-Schälmaschinen werden erprobt, um die wirtschaftliche Schälung im Inland zu ermöglichen, wobei das Land Niedersachsen ein entsprechendes Forschungsprojekt mit rund 2,3 Millionen Euro unterstützt. Als Delikatesse vermarktetes Krabbenfleisch erzielt vor allem in Norddeutschland, Belgien und England eine hohe Nachfrage.1

Nachweise

Quellen & Referenzen

  1. de.wikipedia.org/wiki/Nordseegarnele