Polternde Geräusche auf dem Dachboden, zerbissene Zündkabel im Auto oder ein geplünderter Hühnerstall – wenn wir in Deutschland von einem "Marder" sprechen, meinen wir fast immer den Steinmarder. Doch er ist nicht der einzige Vertreter seiner Familie in unseren Breitengraden. Sein naher Verwandter, der Baummarder, lebt zurückgezogen in unseren Wäldern. Wenn du dich fragst, welches Tier genau nachts um dein Haus schleicht, wie alt diese faszinierenden Raubtiere werden und wie ihre Lebensweise aussieht, bist du hier genau richtig. Wir werfen einen detaillierten Blick auf die Biologie, die Lebensdauer und die entscheidenden Unterschiede der beiden heimischen Marderarten.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Zwei heimische Arten: In Deutschland leben hauptsächlich der Steinmarder (Kulturfolger) und der Baummarder (Waldbewohner).
- Optische Unterschiede: Der Steinmarder hat einen weißen, gegabelten Kehlfleck und eine fleischfarbene Nase. Der Baummarder hat einen gelblichen, abgerundeten Kehlfleck und eine dunkle Nase.
- Lebensdauer: Steinmarder werden in freier Wildbahn durchschnittlich etwa 3 Jahre alt, höchstens rund 10 Jahre.
- Fortpflanzung (Keimruhe): Die Paarung findet im Hochsommer statt, die Jungen werden aber durch eine verzögerte Embryonalentwicklung erst im März/April geboren.
- Rechtlicher Status: Beide Arten unterliegen dem Jagdrecht und haben strenge Schonzeiten. Sie dürfen nicht einfach getötet werden.

Steinmarder vs. Baummarder: Die wichtigsten Unterschiede
Obwohl beide zur Familie der Echten Marder (Martes) gehören, lassen sie sich anhand anatomischer Merkmale und ihres bevorzugten Lebensraums gut unterscheiden. Da der Steinmarder (Martes foina) ein typischer Kulturfolger ist, ist er die Art, mit der du im Siedlungsraum fast ausschließlich in Kontakt kommst[1]. Der Baummarder (Martes martes) meidet menschliche Siedlungen und bleibt in Laub- und Mischwäldern[2].
Optische Merkmale im direkten Vergleich
Wenn du einen Marder siehst oder auf einer Wildkamera aufnimmst, achte auf folgende Details:
- Der Kehlfleck: Beim Steinmarder ist dieser weiß, nach unten hin gegabelt und reicht oft bis auf die Innenseite der Vorderbeine. Beim Baummarder ist der Fleck goldgelb bis cremefarben und unten abgerundet[1][2].
- Die Nase: Der Nasenspiegel des Steinmarders ist hell (fleischfarben), während der Baummarder eine dunkle bis schwarze Nase besitzt.
- Die Pfoten (Branten): Die Fußsohlen des Baummarders sind stark behaart, was ihm beim Klettern auf Bäumen hilft. Die Sohlen des Steinmarders sind hingegen fast nackt.
- Kopfform und Augen: Der Kopf des Baummarders wirkt seitlich etwas abgeplattet, die Augen sitzen näher an der Schnauze. Der Kopf des Steinmarders ist eher dreieckig, die Augen sitzen näher an den Ohren.
Tipp: Spurenlesen (Trittsiegel)
Bist du unsicher, ob eine Katze oder ein Marder über dein Auto gelaufen ist? Der Pfotenabdruck (Trittsiegel) eines Marders ist länglich und zeigt 5 Zehen sowie deutliche Krallenabdrücke. Katzenabdrücke sind fast rund, zeigen nur 4 Zehen und keine Krallen, da Katzen diese einziehen können.
Lebensweise und Revierverhalten
Beide Marderarten sind dämmerungs- und nachtaktiv. Außerhalb der Paarungszeit leben sie als strikte Einzelgänger und verteidigen ihr Territorium aggressiv gegen gleichgeschlechtliche Artgenossen[1]. Sie markieren ihre Reviere regelmäßig mit dem Sekret aus ihrer Prägenitaldrüse sowie mit Kot und Urin.
Reviergrößen im Vergleich
Die Größe des Reviers hängt stark vom Nahrungsangebot und der Jahreszeit ab. Beim Steinmarder reicht die Spanne von etwa 12 bis 210 Hektar; im Winter sind die Reviere kleiner als im Sommer. Männchen (Rüden) haben dabei stets größere Reviere als Weibchen (Fähen) und dehnen diese besonders im Frühjahr weiter aus.
Ernährung: Allesfresser mit Spezialwerkzeug
Marder sind Nahrungsopportunisten. Ihr Speiseplan ändert sich je nach Jahreszeit und Habitat. Im Sommer und Herbst fressen sie große Mengen an pflanzlicher Kost wie Äpfel, Birnen und Beeren. Die tierische Nahrung besteht hauptsächlich aus Kleinsäugern (Wühlmäuse, Ratten), Vögeln, Insekten und Regenwürmern[1].
Eine anatomische Besonderheit des Steinmarders zeigt sich beim Eierdiebstahl: Im Kiefer befindet sich eine Sperrmechanik, die es ihm ermöglicht, den Unterkiefer bis zu 90 Grad vom Oberkiefer abzuwinkeln. Dadurch kann er problemlos große Eier quer im Maul transportieren. Findest du auf dem Dachboden Eierschalen, die quer aufgebissen wurden und eine fast viereckige Öffnung mit Zahneingriffen aufweisen, ist dies ein deutlicher Hinweis auf einen Steinmarder.
Fortpflanzung: Das Phänomen der Keimruhe
Der Lebenszyklus der Marder weist eine faszinierende biologische Anpassung auf: die sogenannte Keimruhe (Embryonalruhe). Die Paarungszeit (Ranz) findet im Hochsommer, meist im Juli und August, statt. Nach der Befruchtung nistet sich die Eizelle jedoch nicht sofort ein, sondern tritt in eine Entwicklungspause ein, die bis zum Februar des Folgejahres andauert[1].
Dadurch verlängert sich die scheinbare Tragzeit auf 245 bis 290 Tage. Die eigentliche embryonale Entwicklung dauert jedoch nur etwa einen Monat. Im März oder April bringt die Fähe dann meist drei bis vier blinde und nackte Jungtiere zur Welt. Erst nach 34 bis 38 Tagen öffnen sie die Augen. Ab dem vierten Monat werden die Jungmarder zunehmend selbstständig und wandern im Spätsommer oder Herbst ab, um eigene Reviere zu suchen.
Achtung: Schonzeiten und Tierschutz
Aufgrund dieser Aufzuchtzeiten greift das Bundesjagdgesetz (§ 22 Abs. 4 BJagdG). In der Brut- und Setzzeit (meist von März bis in den Spätsommer) dürfen die für die Aufzucht notwendigen Elterntiere nicht bejagt werden, da die Jungtiere sonst im Nest verhungern würden[3]. Wenn du einen Marder auf dem Dachboden hast, solltest du Einschlupflöcher in dieser Zeit nicht verschließen, solange Jungtiere im Haus sein können.
Lebensdauer: Wie alt werden Marder?
Die Lebensdauer von Stein- und Baummardern unterscheidet sich in freier Wildbahn kaum, wird aber stark von Umweltfaktoren, Revierkämpfen und dem Straßenverkehr beeinflusst.
- In freier Wildbahn: Die durchschnittliche Lebenserwartung eines Steinmarders liegt bei etwa 3 Jahren. Viele Tiere sterben bereits vor dem Erreichen der Geschlechtsreife (welche nach 15 bis 27 Monaten eintritt). Schaffen sie es durch die ersten kritischen Jahre, können sie in der Natur ein Höchstalter von 8 bis 10 Jahren erreichen[1]. Baummarder können theoretisch bis zu 16 Jahre alt werden, sterben in der Wildnis aber meist ebenfalls vor dem zehnten Lebensjahr[2].
- In Gefangenschaft: Ohne natürliche Feinde, Nahrungsmangel und Straßenverkehr können Marder in menschlicher Obhut deutlich älter werden[1].
Der Steinmarder als "Automarder"
Ein Phänomen, das ausschließlich den Steinmarder betrifft und 1978 erstmals in der Schweiz dokumentiert wurde, ist die Zerstörung von Autokabeln. Entgegen früherer Annahmen beißen Marder nicht aus Nährstoffmangel oder wegen des Geruchs von warmem Gummi in die Kabel. Die Hauptursache ist aggressives Revierverhalten.
Motorräume dienen den Tieren als trockene, warme Unterschlüpfe. Parkt ein Auto, das zuvor im Revier eines anderen Marders stand (und von diesem markiert wurde), im Revier eines neuen Marders, riecht dieser den Rivalen. Dieser Geruch provoziert den Revierbesitzer extrem, was zu aggressivem Beißverhalten führt, bei dem weiche Teile wie Kühlerschläuche und Zündkabel zerstört werden. Dies erklärt auch, warum die meisten Marderschäden im Frühjahr auftreten: Zu dieser Zeit dehnen die Rüden ihre Reviere für die bevorstehende Paarungszeit aus und sind besonders aggressiv.
Unsere Videos zum Thema Marder
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie alt werden Marder in Deutschland?
Steinmarder werden in freier Wildbahn durchschnittlich etwa 3 Jahre alt und höchstens rund 10 Jahre; Baummarder sterben in der Natur meist vor dem zehnten Lebensjahr. In menschlicher Obhut können sie deutlich älter werden.
Was ist der Unterschied zwischen Steinmarder und Baummarder?
Der Steinmarder hat einen weißen, gegabelten Kehlfleck und eine helle Nase, er lebt oft in der Nähe von Menschen. Der Baummarder hat einen gelblichen, runden Kehlfleck, eine dunkle Nase und lebt zurückgezogen im Wald.
Wann bekommen Marder ihre Jungen?
Obwohl die Paarung im Juli oder August stattfindet, werden die Jungen wegen der sogenannten Keimruhe (einer Entwicklungspause des Embryos) erst im März oder April des Folgejahres geboren.
Welcher Marder geht ans Auto?
Ausschließlich der Steinmarder sucht Motorräume auf. Er nutzt sie als Versteck und reagiert mit aggressivem Beißverhalten auf die Duftspuren von rivalisierenden Mardern, die das Auto zuvor markiert haben.
Darf man Marder fangen oder töten?
Nein, Marder unterliegen dem Bundesjagdgesetz. Sie dürfen nur von Personen mit entsprechender Berechtigung (Jagdschein) und nur außerhalb der strengen Schonzeiten (Brut- und Setzzeit) bejagt oder gefangen werden.
Eine Übersicht passender Produkte findest du unter Mittel gegen Marder.
Fazit
Marder sind hochintelligente und anpassungsfähige Raubtiere. Während der Baummarder ein heimlicher Bewohner unserer Wälder bleibt, hat sich der Steinmarder perfekt an das Leben in unserer direkten Nachbarschaft angepasst. Mit einer potenziellen Lebensdauer von bis zu 10 Jahren in der Natur und ihrer faszinierenden Fortpflanzungsbiologie inklusive Keimruhe sind sie ein spannender Teil der heimischen Fauna. Wenn es zu Konflikten am Haus oder Auto kommt, ist Wissen über ihre Lebensweise der beste Weg, um das Problem tiergerecht und legal zu lösen – etwa durch mechanische Abwehr und das fachgerechte Verschließen von Einschlupflöchern außerhalb der Aufzuchtzeit. Wie das konkret geht, liest du im Ratgeber Marder aus Haus und Dachboden vertreiben.
Quellenverzeichnis
- Wikipedia, "Steinmarder (Martes foina)", abgerufen 2024.
- Wikipedia, "Baummarder (Martes martes)", abgerufen 2024.
- Bundesministerium der Justiz, Bundesjagdgesetz (BJagdG) § 2 und § 22 Abs. 4.
Biozidprodukte vorsichtig verwenden. Vor Gebrauch stets Etikett und Produktinformationen lesen.
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